Schnarchen und Schlafapnoe

Über die Hälfte aller Männer und 40% aller Frauen über 50 Jahre schnarchen.

Bei über einem Drittel der Schnarcher kommt es zusätzlich zu Atempausen, die von wenigen Sekunden bis hin zu mehreren Minuten dauern können, und die oft mit einem Abfall des Sauerstoffgehalts im Blut einhergehen. Sauerstoffmangel ist ein absolutes Alarmsignal für den Organismus, der daraufhin alle Systeme auf „Gefahr“ einstellt: Blutdruck, Herzfrequenz, Muskelspannung, Wachheit, Adrenalin- und Cortisol-Ausschüttung steigen erheblich an und verhindern oder stören Tiefschlaf, Traumschlaf, nächtliche Regeneration und Erholung.

Da wir Menschen aber nur diese eine echte Erholungsphase in der Nacht haben, fühlen wir uns am nächsten Morgen „wie gerädert“, sind „hundemüde“, schlapp. kaputt, „fertig“ und schon beim Frühstück oft ausgelaugt. Im Laufe des Tages, wenn uns Konzentration und Leistungsfähigkeit abverlangt werden, können wir uns manchmal nur mit Mühe wach halten, machen Fehler, sind gereizt und bauen evtl. sog. schwere Unfälle, weil wir nicht mehr schnell genug reagieren oder in den sog. Sekundenschlaf fallen. Insbesondere das Herz-Kreislauf-System reagiert äußerst empfindlich auf die nächtlichen Sauerstoffmangelzustände. 80% aller Schlaf-Apnoiker haben einen erhöhten Blutdruck, das Schlafapnoesyndrom erhöht drastisch die Gefahr für Schlaganfälle, Herzinfarkte, Depressionen, Impotenz und weitere schwere Erkrankungen.

Diagnostik

Zunächst findet in der Praxis ein ausführliches Erstgespräch statt, um Sie kennen zu lernen und um möglichst viel über Ihre Schlafgewohnheiten, mögliche (Vor)-Erkrankungen, und eventuelle Medikamente etc. zu erfahren. An einem zweiten Termin, meist am frühen Abend, wird eine ambulante „Schlafverkabelung“ durchgeführt. Sie bekommen einige bunte Elektroden an Stirn und Kinn geklebt sowie je einen dünnen Stoffgurt um Brustkorb und Bauch gelegt, mit denen Sie wieder nach Hause gehen und in ihrem heimischen Bett wie gewohnt schlafen. Am nächsten Morgen bringen Sie das Gerät zurück und wir werten sämtliche Daten sorgfältig aus.

Je nachdem, über welche Beschwerden Sie im Erstgespräch berichten und welche weiteren Krankheiten o.ä. vielleicht vorhanden sind, nehmen wir Ihnen evtl. am nächsten Morgen oder an einem anderen Tag Blut ab, machen ein Ruhe- und/oder Belastungs-EKG, eine Lungenfunktionsprüfung und/oder eine Ultraschalluntersuchung.

Therapie:

Reines (sog. primäres) Schnarchen ohne Atemaussetzer stört meist den Bettpartner, ist aber für sich genommen keine echte Krankheit. Trotzdem gibt es hier einige Möglichkeiten, die lästigen Schnarchgeräusche zu beheben oder zumindest zu lindern. Die Wahl der Behandlung hängt ganz vom einzelnen Patienten und seinem individuellen Befund ab. Als häufige Möglichkeiten kommen Gewichtsreduktion, nächtliche Kieferschienen oder eine kleine Operation in Betracht.

Bei einer echten Schlafapnoe muss zunächst oft eine nächtliche Atemhilfstherapie erfolgen und eine sog. „Schlafmaske“ angepasst werden. Diese Geräte und Masken (sog. CPAP-Therapie) wirken auf den ersten Blick manchmal etwas abschreckend, sind aber wirklich enorm hilfreich und heilsam. Oft verschwinden Schnarchen und Atempausen bereits nach einer einzigen Nacht mit Gerät und Sie fühlen sich am nächsten Morgen zum ersten mal seit langer Zeit wieder frisch, ausgeruht und fit. Vor allem aber reduziert die CPAP-Therapie die lebensbedrohlichen Folgen einer Schlafapnoe wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich und ist damit eine sehr wichtige Behandlung. 60% aller Schlafapnoiker profitieren von einer Gewichtsreduktion, so dass in manchen Fällen später ganz auf eine Maske verzichtet werden kann. In leichteren Fällen eines Apnoesyndroms kann auch eine nächtliche Kieferschiene helfen, bei rein rückenlageabhängigen Problemen auch das einfache Einnähen eines Tennisballs in den Schlafanzug. In jedem Fall aber sollte die Schlafapnoe von einem Schlafmediziner diagnostiziert und behandelt werden.